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Ladendiebstahl

"Jetzt besonders günstig zugreifen!"

Die meisten Ladendiebe sind Erst- und Einzeltäter. Eher selten wenden sie besonders raffinierte Tricks an, um zum Ziel zu kommen. Häufigster Tatauslöser ist das Wissen oder die Vermutung, unbeobachtet zu sein: Sind weder Verkaufspersonal noch Kunden in unmittelbarer Nähe, scheint die Gelegenheit günstig. Oft kommt den Tätern auch Unübersichtlichkeit im Laden und das Fehlen optischer Überwachungseinrichtungen zugute.

Je näher der Moment des Diebstahls rückt, desto mehr steigt die innere Spannung des Täters. Dabei verraten sich Ersttäter oft durch eine unnatürliche, gehemmte oder verkrampfte Haltung, durch hektische Flecken im Gesicht oder am Hals, durch häufiges, betont unauffälliges Umblicken und durch Versuche, ihre Hände gegen Sicht zu decken. Dann folgt - unter weiterem Umblicken - die "schnelle Bewegung" hin zum Objekt der Begierde. Das entwendete Gut wird rasch in der Kleidung oder in einem Behältnis versteckt.

Nach dem Diebstahl verlassen die Täter den Tatort zügig, wobei sie sich mit ihrer Beute möglichst weit entfernen – durch die Kasse auf die Straße, in andere Abteilungen, in Treppenhäuser, auf die Toilette, auf den Parkplatz oder in das Treppenhaus. Dabei fallen sie oft durch das krampfhafte Festhalten der Beute (etwa unter der Kleidung) auf.

Ausgeklügelte Taktiken oder technische Tricks wenden eher gewohnheits- oder gewerbemäßige Ladendiebe an, die oft in Gruppen tätig werden. Sie suchen günstige Tatgelegenheiten bewusst oder schaffen sie selbst. Dabei wird beispielsweise das Personal arbeitsteilig durch besondere Kaufwünsche, Gespräche oder durch Auskunftsersuchen abgelenkt, während Komplizen den Täter beim Diebstahl abdecken.

Von professionellem Vorgehen zeugt die Verwendung von Behältnissen wie Regenschirm, Kinderwagen, Zeitungs- oder Zeitschriftenrolle, Diebesschürze, Paket mit offenem Boden oder präparierter Tasche zur Abschirmung einer elektronischen Artikelsicherung. Weitere typische Finessen von "Profi-Langfingern": Sie tarnen sich als Einarmige beziehungsweise verkleiden sich als Dekorateur, Lagerarbeiter oder Lieferant.

Selbstbedienung, wörtlich genommen

Die Einladung zur Selbstbedienung wird offenbar von immer mehr Langfingern allzu wörtlich genommen: Inzwischen macht Ladendiebstahl in der Polizeilichen Kriminalstatistik etwa ein Zwölftel aller Fälle aus und dazu über ein Sechstel der Eigentumskriminalität. Weit höher noch liegt die Dunkelziffer: Sie wird auf wenigstens das Fünfzigfache der angezeigten Taten geschätzt.

Insgesamt wird der große Schaden beim Ladendiebstahl eher durch Gelegenheitstäter als durch professionelle Täter verursacht - in über der Hälfte der Fälle liegt der festgestellte Beutewert unter 15 Euro.

Gemeinschaftlich handelnde Täter stellen zwar nur ein Siebentel aller ermittelten Ladendiebe; wegen ihres bisweilen dreisten Vorgehens, ihrer größeren Diebesbeute und ihrer gelegentlichen Gewaltbereitschaft bei Festnahmen tragen sie aber erheblich zur Verunsicherung des Einzelhandels bei. Betroffen ist hauptsächlich der Einzelhandel in Großstädten mit über 100.00 Einwohnern, wo sich über die Hälfte aller ermittelten Taten zuträgt. Nur knapp ein Sechstel aller Ladendiebstähle wird in kleinen Gemeinden mit unter 20.000 Einwohnern angezeigt.

Auch zeitlich sind deutliche "Spitzen" zu verzeichnen. So werden Ladendiebstähle vorzugsweise zu Zeiten starken Kundenaufkommens aktiv, etwa in der Vorweihnachtszeit oder während der Schlussverkäufe. Ältere Untersuchungen des Einzelhandels lassen Schwerpunkte (im Monatsverlauf) gegen Ultimo, (im Wochenverlauf) an den Wochenenden und (im Tagesverlauf) in den letzten Stunden vor Ladenschluss erkennen.
Tipps, die Ladendieben kein Glück bringen

  • Den besten Schutz vor Ladendieben bietet qualifiziertes Verkaufspersonal. Mitarbeiter, die auch in Kaufhäusern und Selbstbedienungsläden erkennbar präsent und aufmerksam sind sowie im Umgang mit Ladendieben ausgebildet sind, haben sich als wirksamste "Waffe" gegen Langfinger erwiesen. Alle übrigen Maßnahmen des Einzelhandels, die die Verhütung von Ladendiebstahl bezwecken, haben in erster Linie abschreckenden Charakter.
  • Aus langjähriger Erfahrung weiß die Polizei: Ladendiebe fürchten im Grunde nur eines - nämlich auf frischer Tat ertappt zu werden. Schriftliche Androhungen auf Plakaten, die auf die möglichen Folgen nach einer Festnahme hinweisen, schrecken Ladendiebe kaum, auch wenn aus Rechtsgründen nicht darauf verzichtet werden soll.
  • Über die fachliche Ausbildung des Personals hinaus bieten sich dem Einzelhandel eine ganze Fülle präventiver Möglichkeiten, die zumindest einen wirksamen Beitrag dazu leisten, Langfingern das Leben nachhaltig zu erschweren.